Entspanntes Geldanlegen für Kinder

Hallo zusammen,

heute geht es um das Thema „Entspanntes Geldanlegen für Kinder“. Als Steuerberater habe ich immer wieder mit dem Thema Geldanlage, Steueroptimierung und -gestaltung zu tun und als junger Familienvater habe ich mich in den letzten Monaten intensiv damit beschäftigt. Meine bisherigen Erfahrungen zu Geldanlagen hab ich einfließen lassen und möchte dir heute einen Weg präsentieren, der vielleicht für dich auch interessant sein kann, wie du langfristig ganz entspannt ein kleines Vermögen bzw. eine schöne Starthilfe für deine Kinder aufbauen kannst.

Gehen wir mal ein bisschen „Back to the roots“. Wie war das so vor ja 20 oder 30 Jahren, wie erfolgte die Geldanlage. Aus meiner Kindheit weiß ich noch, da lief das so: Klassisch eine Spardose, den Geldschein rein und dann wurde zu Hause gespart. Super. Wir als Kinder haben uns gefreut, besonders wenn´s geklackert hat wegen den Münzen darin. Die Eltern wussten, wenn es nicht klackert und es sind Scheine drin, ist es doch besser.

Daneben gab es noch das klassische Sparbuch. Du wirst es vielleicht auch kennen, einmal im Jahr zur Sparkasse, ich glaube das war der Weltspartag, der Knax-Club, wo dann die Zinsen im Sparbuch gutgeschrieben wurden. Wir Kinder haben uns gefreut, super. Das war eine gute Variante und ich bin auch meinen Eltern dankbar, das war toll und wahrscheinlich bei ganz vielen aus meiner Generation ähnlich. Aber welches Problem haben wir denn heute. Heute gibt es faktisch keine Zinsen mehr. Sparbücher haben eine Verzinsung von 0,01 %, zum Teil auch wirklich 0,00 %. Es gibt damit keinen Zinsertrag.

Was ist die Folge? Wir sparen quasi jeden Monat Geld und es wird zwar durch die Sparquote höher, aber die Kaufkraft verlieren wir, da es ja noch die Inflation gibt. Die Inflation ist vereinfacht gesagt, die Teuerungsrate und hat zur Folge, das alles immer um ein paar Prozent teurer wird. Im Schnitt liegen wir so zwischen 2% und 2,5 % Inflation auf Jahressicht. Das bedeutet, wenn wir heute 100 Euro Geld anlegen, dann sind die in 10 oder 20 Jahren viel weniger Wert, weil die Preise gestiegen sind. Wir verlieren Kaufkraft.

Dieses Problem müssen wir lösen, wenn wir für unsere Kinder Geld anlegen wollen. Wir möchten denen ja etwas Gutes tun und wir haben einen sehr langen Geldanlagezeitraum. Wenn wir von der Geburt des Kindes, bis zur Volljährigkeit oder Studiumbeginn rechnen, dann haben wir locker 18 Jahre. Wenn wir ein bisschen länger das Geld sichern wollen oder ein bisschen später anfangen, haben wir zwischen 15 und 25 Jahren. Das ist ein ganz realistischer Geldanlagezeitraum. Bei 2,5 % Inflation über diesen Zeitraum reden wir über einen riesen Kaufkraftverlust für unsere Kinder und der ist zu vermeiden.

Andererseits hat natürlich dieser lange Zeitraum ein riesen Vorteil für uns, da das Risiko gestreut wird und wir können dadurch auch in andere Geldanlagen investieren. Die Idee ist in Aktien zu investieren. Warum? Im Durchschnitt der vergangenen Jahrzenten haben Aktienanlagen 6 % per anno als Rendite erzielt. 6 % ist eine Menge Geld und durch diesen langen Zeitraum haben wir eben einen Zinseszinseffekt, der die Inflation ausgleicht, das Geld vermehrt und wir haben eine Risikostreuung, weil die Gefahr eines Verlustes durch diesen Zeitraum einfach geringer ist.

 

Aber wie wollen wir es jetzt machen? Welche Variante gibt es?

Wenn wir uns dazu entschieden haben, dass wir jeden Monat 25,00 Euro sparen möchten und zusätzlich Einmalzahlungen sparen, wie die Geschenke zur Geburt, Geburtstag, etc., dann können wir uns überlegen, welche Aktien wir kaufen, z. B. VW, Mercedes, Apple, Amazon, was weiß ich….

Das wäre natürlich nicht so wirklich sinnvoll in Einzelaktien zu investieren, da die Kaufkosten alles auffressen würden und vor allem wissen wir nicht, welche Aktien wir überhaupt kaufen sollen. Das Risiko ist viel zu hoch.

Es gibt ganz andere Möglichkeiten, nämlich die Geldanlage in einen Fonds. Jetzt gibt es zwei Varianten von Fonds, aktiv gemanagte Fonds und passiv gemanagte Fonds. Der Unterschied ist, die Aktiven, da gibt es irgendjemanden, der das Sagen hat, der sogenannte Fondsmanager und der entscheidet, in welche Richtung geht dieser Fonds. Der entscheidet, wo das Geld angelegt wird. Und die passiven, die sogenannten ETFs (Exchange-Traded Funds), die bilden computergesteuert einen Index nach, zum Beispiel den DAX oder den Euro Stoxx. Das ist kostengünstiger, weil da keiner über die Strategie entscheidet, sondern weil der Index einfach nachgebildet wird.

So, das heißt, wenn wir jetzt monatlich 25,00 Euro nicht in einen aktiven sondern in einen passiv gemanagten Fonds, in einen ETF, anlegen wollen, dann ist der perfekte Weg dafür ein ETF-Aktien-Sparplan. Da können wir jeden Monat 25,00 Euro anlegen und wenn der Aktienfonds gerade teuer ist, dann kaufen wir weniger Anteile, weil der 25,00 Euro Betrag immer gleich bleibt. Und wenn der Aktienkurs gerade gefallen ist für diesen ETF, dann kaufen wir mehr Fondsanteile. Das ist dann der sogenannten Cost Average Effekt, mal teuer kaufen, mal günstig kaufen – Es stellt sich ein Glättungseffekt ein. Das ist eine gute Variante, vor allem über einen Zeitraum von 15 bis 25 Jahren. Und 25,00 Euro, seien wir mal ganz ehrlich, ist einmal im Monat Pizza essen, das können wir uns ohne Stress absparen. Und wenn es eben nicht geht, dann können wir auch einmal im Quartal in einen Sparplan einzahlen

 

Ich will mal ein bisschen rechnen:

Was macht denn die Oldschool – Geldanlage: Ein Sparbuch mit 0 % Verzinsung, 25,00 Euro im Monat über 18 Jahre macht 5.400 Euro am Ende des Zeitraums. Das ist eine Menge Geld, aber es geht ja eigentlich mehr und die Inflation frisst es sogar noch auf. Das heißt 5.400 Euro sind in 18 Jahren nicht so viel wie heute.

Wie ist das mit 6 % per anno Rendite in einem ETF-Aktien-Sparplan? Mit einem Zeitraum von 18 Jahren und 25,00 Euro im Monat Sparbeitrag kommen wir auf einen Betrag von 9.573 Euro durch den Zinseszinseffekt. Das sind über 4.000 Euro mehr. Und, das sind jetzt 6 % Rendite, wenn es ein bisschen mehr ist, sind wir schnell in einem Bereich von 10.000 Euro.

Das zusätzlich Schöne ist, wenn es Dividendenausschüttungen aus dem Fonds gibt. Du kannst dir einen thesaurierten Fonds auswählen, der die Dividende automatisch direkt wieder investiert. Das ist eine super Sache und wir sehen, das 5.400 Euro zu über 9.500 Euro fast eine Verdoppelung ausmacht und das ist ein riesen Betrag, womit sich natürlich der Start in das Studium oder in den Führerschein doch schön finanzieren lässt.

 

Jetzt weißt du, wie es geht. Aber wo umsetzen? Ich kann dir die Seite justetf.com empfehlen. Das ist eine deutsche Seite zum Thema ETF´s mit einer super Suchseite. Die ist ganz toll aufgebaut. Du kannst dir aussuchen, welche Art von Fonds du willst und ob es gerade Aktionsfonds bei irgendwelchen Banken/Direktbanken gibt, wo du schon ein Konto hast oder wo es gerade Aktionen gibt.

Ich hab das so bei der Comdirect gemacht. Die haben ein Juniordepot und weil ich da selbst schon ein Konto habe, konnte ich das problemlos ohne neues Identifikationsverfahren anlegen und eröffnen.

Gut, jetzt weißt du, wo du suchen kannst und welche Empfehlung von meiner Seite aus von der Art und Weise der Geldanlage es gibt. Jetzt stellen sich noch drei Fragen, die ich unbedingt noch aufklären will, da die für mich ganz wichtig waren.

 

1) Auf welchem Namen läuft das Depot?

Auf dem Namen des Kindes. Warum? Dadurch hast du einen Steuerspareffekt. Die Ausschüttung und die Zinsen die du daraus generiert, werden nicht in deiner Einkommensteuererklärung mit versteuert, zusammen mit dem Gewinn aus selbständiger Arbeit oder mit deinen Arbeitnehmereinkünften und den anderen Kapitaleinkünften sowie Vermietung und Verpachtung (wenn die da sein sollten), sondern das Kind selber kann auch schon ab Geburt Einkünfte haben. Aber natürlich sind die auch steuerfrei bis zu einem Betrag von knapp 10.000 Euro. Das ist super, du zahlst darauf also keine Steuern.

 

2) Wie ist es denn mit der Versicherung?

Wenn dein Kind bei dir familienversichert ist, musst du aktuell in 2019 eine Grenze von monatlich 450,00 Euro beachten, mehr Einnahmen darf dein Kind im Monat nicht haben. Diese Grenze aber mit Kapitalerträgen zu überschreiten, würde bedeuten, dass du schon sechs- oder siebenstellige Beträge für dein Kind anlegst, damit so viel zusammenkommt. Wenn die Grenze überschritten wird, fliegt es aus der Familienversicherung raus und müsste sich selbst versichern. Wäre schon ärgerlich. Bitte einfach im Kopf behalten und berücksichtigen.

 

3) Und dann ein Punkt für den ich ganz lange gesucht und überlegt habe, wie folgendes Problem gelöst werden kann – Folgende Situation:

Du verwaltest ja nur das Depot für dein Kind (es läuft auf den Namen des Kindes). Wenn es 18 Jahre wird und volljährig ist, kann es von heute auf morgen, über dieses Depot entscheiden. Du hast keinen Einfluss mehr. Gar nicht.

Jetzt hatten wir gerade ausgerechnet, dass knapp 10.000 Euro in dem Depot liegen. Ich sag wie es ist, wenn ich mich zurückerinnere an meine Zeit, an Freunde und Bekannte, die man so kennt, dann ist 10.000 Euro zur freien Verfügung, zur Selbstentscheidung für ein „Kind“, das sich gerade mit dem Thema z. B. Autokauf beschäftigt, nicht unbedingt die Idealvariante. Es besteht die Gefahr, dass lang gespartes Geld für „Quatsch“ ausgegeben wird.

Von daher ist die Frage, wie du denn das Geld weiterhin absichern kannst und ideal für das Kind anlegst. Vielleicht auch damit das Kind ein bisschen vor sich selbst schützen kannst? Eine Möglichkeit ist, (es ist ganz simpel) vor dem 18 Geburtstag ziehst du das Geld aus dem Depot raus und machst daraus zum Beispiel eine Festgeldanlage. Ein Festgeldkonto mit einem Zeitraum von 5 bis 7 Jahren, so bis zum 25. Lebensjahr. Das ist immer die Empfehlung in der Praxis, wenn wir über Anlagen und Übertragungen auf Kinder reden, weil dann mit Mitte Zwanzig die Kinder ein Stück weiter sind, vielleicht schon den ersten Ausbildungsabschnitt hinter sich haben und schon fest im Leben stehen. Sie wissen dann, dass das eine Menge Geld ist.

So kannst du quasi das Geld sichern. Eine Möglichkeit wäre auch ein Auszahlungsplan anzulegen. Du legst das Geld in einen Bankauszahlungsplan an und jeden Monat gibt es ein bisschen Geld für das Kind, dabei generiert es nebenbei noch etwas Zinsen und wenn es zum Beispiel im Studium ist, hat das Kind so jeden Monat etwas Geld zur Verfügung. Finde ich eine super Möglichkeit

 

Also noch einmal zusammengefasst: Nutz den Zinseszinseffekt über den Zeitraum von 15 bis 25 Jahren, dafür sind bestens ETF-Aktien-Sparpläne geeignet, weil auf dem langen Zeitraum die Risikostreuung sehr hoch ist und die Rendite pro Jahr sich über die Jahrzehnte positiv auswirkt. Such dir den passenden Fonds auf justetf.com aus. Da findest du eine super Suchseite dafür. Und zuletzt sicherst du vor dem 18. Lebensjahr das Geld nochmal ab bzw. besprichst gemeinsam mit deinem Kind die Möglichkeiten

Jetzt von meiner Seite aus dir viel Erfolg dabei, schön dass du diesen Gedanken auch teilst und viel Spaß beim Geldanlegen. Bis dahin. Ciao.

Maurizio

PURLearning UG